Messe Düsseldorf, 27. & 28. Oktober 2021

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Bauen für die neue Normalität

23. Februar 2021

Materialien und neue Ideen für Design und Architektur nach der Pandemie

 

Die Pandemie im Jahr 2020 hat viel verändert. Richtig viel. Man könnte hier über Digitalisierung oder Home Office usw. sprechen, aber eines ist klar: Die Pandemie von 2020 wird höchstwahrscheinlich nicht die letzte sein. Nach SARS, Ebola und Schweinegrippe können wir nur schlussfolgern, dass uns Pandemien höchstwahrscheinlich auch weiterhin begleiten werden. Die BBC berichtete letzten Herbst darüber, und Eric Fevre, Professor an der Universität Liverpool sagt: „Solche Ereignisse werden wahrscheinlich immer wieder vorkommen. Es gab sie schon während unserer gesamten Interaktion mit der Natur. Was jetzt wichtig ist, ist, wie wir das Ganze begreifen und darauf reagieren.“

 

Wie gehen aber Architektur und Design mit den mit neu aufkommenden Fragen zu Hygiene, Sauberkeit und der Gefahr einer neuen Pandemie um?

 

Nun, es werden ständig neue Materialien getestet. An der Chalmers-Universität in Göteborg, Schweden, hat ein neues Start-Up namens Amferia ein Material entwickelt, das ähnlich wie Heftpflaster aussieht. Dieses Oberflächenmaterial tötet erwiesenermaßen jenes Virus ab, das Covid-19 verursacht. Natürlich ist das alles sehr neu, und wir müssen vielleicht etwas warten, bis alle Türen, Schreibtische und Aufzüge  mit diesem Virus abtötenden Material überzogen sind. Aber die Design- und Architekturwelt sucht nach neuen Lösungen, um die Verbreitung von Viren zu stoppen.

 

An der Aalto-Universität in Finnland werden Studien durchgeführt, die einen eventuellen Zusammenhang zwischen Holz und Gesundheit  untersuchen. Tiina Vainio-Kaila leitet eine dieser Studien und hat bereits herausgefunden, dass die antibakteriellen Eigenschaften von Holz die Möglichkeit einer von Oberflächen ausgehenden Kreuzkontamination verringern können.

 


Gewinner von Träpriset 2020 durch den Verein Swedish Wood. Die Architekten Anders Johansson und Anja Thedenius wurden gemeinsam mit Atelje Södersvik für die beste Holzarchitektur ausgezeichnet © Fotograf Åke E:son Lindman

 

Holz wird als Material mit vielen positiven Effekten gesehen. An der Universität Linköping betrachten schwedische Wissenschaftler Holz als Material zur Verbesserung der Gesundheit. Können kranke Menschen in einer hölzernen Umgebung schneller gesund werden? Können wir Holz praktisch als Medikament betrachten? Wirkt es tatsächlich heilend? Im November 2020 wurde in Skellefteå, Schweden, ein neues Projekt gestartet, um herauszufinden, wie sich die Gesundheit von Patienten  in einem mit Holz eingerichteten Raum verbessert. In Zukunft könnten Ärzte beispielsweise anordnen, sich in einer Lounge auf Holzbasis auszuruhen anstatt Tabletten zu verabreichen.

 


Laufende Forschung in Schweden über die heilenden Eigenschaften von Holz für kranke Menschen. Studie im Krankenhaus Skellefteå. © Fotograf Joakim Bergström

 

Außer  Materialien ist es auch ein großes Thema, wie das Virus in der Luft übertragen wird. Was können Architektur und Designbeitragen, um dagegen anzugehen?  Professor Lidia Morawska von der Queensland University in Australien hat Corona und die Pandemie unter dem Gesichtspunkt der Luft betrachtet. Sie stellt fest, dass das Virus in der Luft uns nicht nur dazu zwingen wird, neue Materialien, sondern auch die Luftqualität zu untersuchen. Eine Erkenntnis, die das schwedische Unternehmen Blueair bestätigt, da das allgemeine Bewusstsein für die Luftqualität in Innenräumen immer noch recht gering ist. International kann man sehen, wie das Thema Luftqualität intensiv diskutiert wird, so etwa in Deutschland, wo Luftreiniger für Schulen subventioniert werden.

- „Ich bin sicher, wir werden viel mehr Diskussionen über öffentliche Gebäude und darüber hinaus haben, wie Luft besser werden kann. Wir nehmen an mehreren Projekten in Großbritannien teil, bei denen wir dies feststellen können, und ich bin sicher, dass wir auch in Skandinavien noch viel mehr davon sehen werden“, sagt Alexander Provins von Blueair. 

 


Diese Geräte reinigen  die Luft von Keimen bis zu 72 m3und alle zwölf Minuten. 72 Quadratmeter Fläche oder 72 Kubikmeter Luft. © Fotograf Blueair

 

In Büros und Gebäuden geht es allerdings nicht nur um Materialien. Es geht vor allem auch um Menschen. Es wird viel darüber gesprochen, wie wir arbeiten werden, wenn wir wieder zur Normalität übergehen, und die Mehrheit der zu diesem Thema befragten Personen sagt, dass wir in einer hybriden Form arbeiten werden. Zwei, drei Tage im Büro und zwei, drei Tage zu Hause.

- „Das Büro wird ein dynamischer Raum sein, in dem wir uns treffen, um kreativ und produktiv zu sein“, sagt Peter Ullstad vom Architekturbüro Codesign. „Unsere Aufgabe ist es also, einen Raum zu schaffen, der flexibel und eine Art kulturelle Ladestation ist.“

 


Das Konzept des Immobilienunternehmens Cushman & Wakefield zum Aufbau Ihres Büros, ist dergestalt, dass sich Mitarbeiter einander höchstens auf zwei Meter nähern. © Fotograf Cushman&Wakefield

 

Unabhängig davon, wie viel Spaß und menschlichen Austausch Arbeiten in dieser Form bedeuten wird, so wird es neue Sicherheitsstandards geben. Ein der am meisten diskutierten davon ist das „Six Feet Office“ von Cushman & Wakefield. Dies ist beispielsweise bei Büroräumen wie United Spaces ein neuer Standard. Das gesamte Gebäude basiert auf einem Konzept, bei dem man sich nicht näher als in zwei Metern Entfernung zueinander aufhalten sollte.

- „Jede Person in unseren Gebäuden sollte sich entspannt und sicher fühlen“, sagt Karl Garberg von United Spaces.

 


Das neue Büro von United Spaces in der Torsgatan 26 in Stockholm wurde nach dem „Six-Feet-Office“-Konzept gestaltet. © Fotograf United Spaces

 

Die Pandemie hat unseren Blick auf Architektur und Design verändert. Wir entdecken vielleicht erst neue, gesunde Materialien oder neue Wege und Verhaltensweisen, aber der Wandel hat bereits begonnen.

 

Ursprünglich geschrieben von Stefan Nilsson


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