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Die erstaunliche Hartnäckigkeit von Rosa

31. Mai 2022

Noch vor fünf Jahren schien Rosa eine willkommene, aber vorübergehende Modeerscheinung zu sein. Heute sind rosige Farbtöne allgegenwärtig, sogar an Gebäudefassaden. Doch wie konnte ein so sanfter Farbton als Ausdruck der Zeit so viel Macht erlangen?


Die Ursache für den Aufschwung von Rosa ist nicht leicht festzumachen, aber Fakt ist, das Spektrum von Rot bis Rubin ist zu jedermanns Liebling geworden. Manche verweisen auf Wes Andersons Film „Grand Budapest Hotel aus dem Jahr 2014 als Beginn der rosafarbenen Bewegung; andere schreiben es den Millennials zu, dass sie Rosa von seiner eingeschränkten Rolle als bevorzugte Farbe von Mädchen zu einem universelleren, - nicht-binären - Statement gemacht haben. Wo auch immer es begonnen hat, Rosa ist nicht mehr verschwunden. 2014 erklärte Pantone das Rosa der Millennials zur Farbe des Jahres. 2019 wurde Living Coral diese Ehre zuteil, - ein Farbton, der nur leicht kadmiumhaltiger ist. Nach Angaben von Pantone sind helle Rottöne aus mindestens zwei Gründen beliebt geblieben: Sie fördern die Unbeschwertheit und unterstreichen „unser angeborenes Bedürfnis nach Optimismus und Freude“. Im Folgenden stellen wir fünf Projekte vor, bei denen die Farbe Rosa sowohl innen als auch außen eingesetzt wurde.

 


Der rosa eingefärbte Beton setzt sich im Inneren mit passenden Ortbeton-Sockeln und -Säulen fort.
Foto: © Dror Baldinger


The Webster (2020), Los Angeles, von Adjaye Associates

 

Der britisch-ghanaische Architekt Sir David Adjaye begann schon früh in seiner Karriere, die Farbe Rot einzusetzen, zum Beispiel mit dem kardinalroten Äußeren der Galerie der Aïshti Foundation in Beirut, Libanon. Sein neuestes Projekt ist der Flagshipstore des Luxusbekleidungsunternehmens „The Webster“. Das in Los Angeles gelegene Gebäude hat eine geschwungene und auskragende Fassade aus Beton, der mit rosa Farbstoff eingespritzt wurde. Das Innere ist ebenso rosig und gleicht einem skulpturalen Feld aus gegossenen Betonsäulen und tropfenförmigen Sockeln, die als Auslageflächen für die Waren dienen. All diese Sonnenuntergangsfarben sind eine Ode an die Leuchtkraft Kaliforniens, wo das Licht des Pazifiks die gesättigten Farbtöne auf natürliche Weise verstärkt.

 


R7 mischt den modernistischen Look der Aluminiumlamellen von Mies van der Rohe mit einer Beschichtung aus knalligen Rosatönen.
Foto: © Duggan Morris

 

Bürogebäude R7 (2017), London von Morris & Company


Das im sich schnell entwickelnden Londoner Stadtteil King's Cross gelegene R7 ist ein elfstöckiges Büro- und Mischnutzungsgebäude, das in zwei verschiedenen Farbtönen gehalten ist: Rosa und Lachsrosa. Die zwei Teile des Gebäudes aus Aluminium und Glas ragen unterschiedlich hoch empor und teilen das Gebäude in zwei Blöcke, die miteinander verbunden sind. Rosa zieht sich durch das gesamte Projekt: von den Hängelampen in der Kolonnade bis zu den Metallgeländern und den gepflasterten Terrassen. Nach Angaben des Architekten Joe Morris verwendete das Büro die Farbe in den ersten Zeichnungen eigentlich nur, um die neuen Gebäude von den umliegenden Gebäuden abzusetzen. Schließlich wurde es zu einem festen Bestandteil. „Rosa ist eine Farbe, die wir häufig verwenden“, sagt Morris. „Es ist eine sehr menschliche Farbe, und damit eine Farbe, nach der wir intuitiv greifen. Wir wollten, dass das Gebäude eher ein häusliches als ein geschäftliches Aussehen hat.“

 


In Calgary verwandelten Public City Architects einen ungenutzten Parkplatz mit leuchtenden Farben in einen Stadtpark.  
Foto: © Kokemor Studio


ParkPark (2020), Calgary, von Park City Architects


Die Städte werden von besonders viel Grau dominiert, sodass Rosa ein starker Gegenpol zur städtischen Tristesse sein kann. Das in Calgary ansässige Landschaftsarchitekturbüro Park City Architects verwendete kürzlich Pastelltöne für eine öffentliche Installation, die auf einem ungenutzten Parkplatz errichtet wurde. Die Firma gestaltete die 14.000 Quadratmeter große Fläche als einen lebendigen Mix von Farben und Aktivitäten, die man eher mit Parks als mit Autos in Verbindung bringt. Rosa dominierte die Palette verschiedener peppiger Farben, darunter Gelb, Grün und Blau, die für den Asphalt und für eine Reihe von 3-D-Objekten in Form von riesigen App-Symbolen verwendet wurden. Jedes Objekt enthielt ein symbolisches Icon für das, was normalerweise in Parks zu finden ist, etwa Bäume, ein Lagerfeuer und Picknickbänke. Die festliche Atmosphäre und die warmen Farben der Installation, die den Namen „ParkPark“ trägt, luden die Menschen während der Pandemie dazu ein, die Stadt zu erkunden und ein wenig Spaß zu haben.

 


Bei Uncommon Projects wurde Rosa verwendet, um einer kleinen Küche nach ihrer Renovierung mehr Definition als eigenständiger Raum zu verleihen.
Foto: © Jocelyn Low

 

Whitstable House, Kent, von Uncommon Projects


Die Schaffung einer einzigartigen Küche in einem Bungalow aus der Zwischenkriegszeit war das Ziel dieser Renovierung in der idyllischen englischen Küstenstadt Whitstable, Kent. Das Designbüro Uncommon Projects fertigte maßgeschneiderte weiße Schränke aus Fenix NTM an und sorgte für einen sanften Kontrast mit geröteten Wänden und einem enteneierblauen Boden. Die beruhigende Farbpalette trägt dazu bei, die neue Identität der Küche in der Wohnung zu unterstreichen. „Es ist keine Übergangszone mehr“, sagen die Architekten, „sondern ein visuell ansprechender ‚Zielraum‘.“

 


Die Degustationsbar in den Campari-Büros in Toronto ist in verschiedenen Pastelltönen gehalten, inspiriert von der Memphis Group aus den 1980er Jahren.  
Foto: ©
Lisa Petrole

 

Hauptsitz der Campari-Gruppe (2016), Toronto, von I-V Studio

 

Als die italienische Destillerie Gruppo Campari eine Niederlassung in Toronto eröffnete, lud sie das örtliche Designstudio I-V ein, ein ehemaliges Filmstudio in ein Großraumbüro umzuwandeln, das Platz für 22 Mitarbeiter und eine Verkostungsbar für die Präsentation ihrer legendären Spirituosen bietet. Das minimalistische, weiße Interieur wird durch zarte Farbtöne unterbrochen, darunter das Mintgrün und Kobaltblau des gummierten Bodens und weiße Eschenholzplatten an den Wänden. Rosa ist jedoch das, was dem Raum Ausgewogenheit und Zusammenhalt verleiht, wobei pfirsichfarbene Töne für die modularen Sofas in den Aufenthaltsbereichen gewählt wurden. Die Arbeitsplatte und die Schränke der offenen Bar zeigen ein Mosaik aus mehreren Rosatönen, das von zwei Referenzen inspiriert wurde: Ettore Sottsass' verschnörkeltes Bacterio-Muster und Cochenille, das Insekt, das traditionell verwendet wird, um Campari seine ungewöhnliche rubinrote Farbe zu verleihen.

 

Dieser Artikel ist eine übersetzte Bearbeitung
des Textes des Originalautors, Catherine Osborne


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